Der Diäten-Dschungel

Gesunde Ernährung ist seit langem ein großes Thema in der öffentlichen Aufmerksamkeit. Aber es gibt hierbei viele unterschiedliche Meinungen und noch mehr Missverständnisse. Ich bezeichne es auch gerne als einen Diäten-Dschungel, in dem man sich leicht verirren kann.

Viele Wege

In den letzten Jahren sind wieder viele neue Trends aufgetaucht, vor allem vegane Ernährung und Paleo-Ernährung. Diese könnten kaum unterschiedlicher sein. In den Jahren und Jahrzehnten davor sind auch immer wieder neue Ansätze zu diesem Thema aufgetaucht. Vor 20 Jahren hat die Low-Fat-Ernährung die öffentliche Wahrnehmung dominiert. Dann kam eine Wiederauferstehung der Atkins-Diät mit der Idee, möglichst wenig Kohlenhydrate zu essen. Jetzt gibt es aktuell auch noch vermehrte Berichte über die positiven Effekte der ketogenen Diät, bei der die meisten Kalorien durch den Konsum von Fett aufgenommen werden.
Die Widersprüche bei all diesen unterschiedlichen Herangehensweisen sind ein sehr guter Grund dafür, einfach das Handtuch werfen zu wollen und sich nicht weiter deswegen verrückt zu machen. Aber das wird der Wichtigkeit der Ernährung nicht gerecht. Schließlich ist die unumgängliche Wahrheit „Du bist, was du isst“ mehr oder weniger jedem bekannt.
Unsere Körper werden durch die aus den Lebensmitteln gewonnenen Stoffe aufgebaut und erhalten. Zusätzlich funktionieren sie auch nicht ohne stetige Zufuhr der richtigen Treibstoffe. Für jede körperliche und geistige Leistung, die wir erbringen, benötigen wir Energie. Und die kommt nun mal aus der Nahrung.
Darüber hinaus ist Essen aber auch nicht nur eine Quelle für Nährstoffe, sondern auch für Genuss. Vermutlich kennt jeder das Gefühl, durch die Leibspeise mit Glück und Zufriedenheit erfüllt zu werden. Wer möchte darauf schon freiwillig verzichten?

Das Hauptproblem dabei

Es gibt nicht die eine Ernährungsweise, die für jeden uneingeschränkt funktioniert. Manche Menschen sind sehr anfällig für die Entwicklung von Problemen mit der Blutzucker-Regulierung, bis hin zur Entstehung von Diabetes. Andere haben wiederum Schwierigkeiten mit der Verstoffwechselung von Fetten. Wieder andere haben durch ihre körperlichen Voraussetzungen weniger Bedarf für Proteine.
Der hierbei entstehende metaphorische Dschungel an Diäten ist voll mit irreführenden Informationen. Deshalb ist es enorm schwierig, den Weg zum eigenen Ziel zu finden. Vorwiegend, weil es nicht nur ein Ziel gibt, das für jeden die gleiche Gültigkeit hat.
Wie soll man nun also den Weg durch diesen Diäten-Dschungel finden, um an dem eigenen angestrebten Ziel anzukommen? Für die Beantwortung dieser Frage werde ich mich nun weiter der Metapher des Dschungels bedienen.

Der Weg durch den Diäten-Dschungel

Wenn man weiß, in welche Richtung man möchte, ist es nicht unbedingt das Beste, einfach zu versuchen, sich geradlinig durch das Dickicht (= die Vielfalt der verfügbaren Nahrungsmittel) zu kämpfen. In diesem Dickicht kann man sehr leicht die Orientierung verlieren aber auch stecken bleiben oder einem gefährlichen Tier (= nahrungsmittelbedingte Krankheiten) begegnen. Deswegen sollte man einen klareren Pfad einschlagen. Zum Beispiel entlang eines Flusses (= strukturierter Ernährungsplan). Wenn dieser scheinbar zum angestrebten Ankunftsort (= z.B. Gewichtsabnahme, Gewichtszunahme, Überwindung von Krankheit, etc.) führt, ist es aber nicht unbedingt das Beste, einfach in diesen Fluss zu springen. Vielleicht befinden sich nämlich auch darin gefährliche Tiere, die man auf den ersten Blick nicht erkennt. Oder trotz der scheinbar hohen Geschwindigkeit, mit der man auf einem Floss auf einer schnellen Strömung das Ziel erreichen könnte (= Crashdiät), führt dieser vielleicht statt zu dem tatsächlich angestrebten Ort, zu einem Wasserfall (= gesundheitliche Beeinträchtigung). Deswegen sollte man sehr aufmerksam sein, was die Wahl eines Flusses zur Orientierung angeht. Der Erstbeste ist mit gewisser Wahrscheinlichkeit nicht gleich der richtige. Auch nicht, wenn er besonders breit ist und schon viele andere Leute auf ihm entlang paddeln. Denn man kann sich nicht sicher sein, dass man so auch das eigene Ziel erreicht. Wenn man feststellt, dass man in die falsche Richtung geführt wird, gibt es nichts dagegen zu sagen, abzuspringen und sich erst nochmal wieder in das Dickicht zu begeben, bis man an einen anderen und hoffentlich besseren Fluss kommt, an dem man sich orientieren kann. Solch eine Reise kann sehr langwierig und beschwerlich sein, auch wenn man bereits den richtigen Fluss gefunden hat. Also sollte man nicht vergessen, hin und wieder am Flussufer eine kurze Pause einzulegen (= z.B. Lieblingsspeisen, „Cheatdays“, Seelenfutter). Es nützt einem nämlich relativ wenig, sich auf dem richtigen Weg zu befinden, wenn es einem dabei absolut miserabel geht. Es wäre natürlich ganz hervorragend, wenn man sich nicht allein auf dieser Reise befindet. Aber nur, wenn man sich nicht gegenseitig im Dickicht verliert und sich dann nicht traut, allein weiterzureisen oder anfängt im Kreis zu laufen. Noch besser wäre es, einen einheimischen Führer (= Ernährungsberater) durch diesen Dschungel zu finden. Aber hierbei ist es wichtig, darauf zu achten, dass er möglichst die gleiche Sprache spricht, sodass er versteht, wohin die Reise gehen soll und man seine Anweisungen befolgen kann. Und mancher Führer verliert mitunter vielleicht auch mal die Orientierung in dem sich ständig verändernden Dschungel.
Zu guter Letzt, ist es wichtig, dass man diese Reise auch genießt. Es ist ein Abenteuer, während dessen man viel über sich selbst lernt und an dessen Ziel man einen Schatz finden kann. Wenn man zielstrebig und aufmerksam ist, kommt man am Ende stärker, gesünder und glücklicher daraus hervor, als man jemals zuvor war.

 

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